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Fraktionsporträt: Halflings – Kleines Volk, großer Appetit

Wandernde Hirten, die auf den goldenen Feldern der Shires sesshaft wurden und Winters ewige Kälte, Freundschaft und Verrat der Liga von Rhordia und die Riftforged-Orks überstanden. Woher die Halblinge kommen, wie sie leben und wer für sie kämpft.

Über den Shires scheint die Sonne. Sie scheint im Sommer, wenn auf den sanften Hügeln der Weizen reift, und sie scheint im Winter, wenn ringsum alles unter Schnee liegt. Goldenes Licht fällt auf Obstgärten, Bäche und runde Häuser, und seit Jahren reisen Gelehrte an, um herauszufinden, woher es kommt. Weder die Erzmagier noch die Professoren der Euhedral Library können es erklären. Der Bauer, der ihnen Bier und eine Pfeife anbietet, zuckt nur mit den Schultern.

„Verschollene Götter!“, sagt er.

Und das ist wohl das Nächste an einem Gebet, was man je aus dem Mund eines Halblings hört.

Erster Teil: Ein Volk aus dem Nirgendwo

Genau richtig

Halblinge sind klein. Menschen, Elfen und sogar Zwerge überragen sie deutlich, wenn auch meist nicht um das Doppelte. Ein erwachsener Mann misst etwa vier Fuß, Frauen sind etwas kleiner. Kopf, Hände und Füße sind im Verhältnis zur Körpergröße etwas größer als bei Menschen. Im Norden haben sie helle Haut, im Süden – nach Generationen in der Sonne – eine gebräunte, leicht rötliche. Manche haben Haarbüschel auf den Füßen, aber fast alle tragen Schuhe, also weiß niemand, ob das für das ganze Volk gilt.

Sie leben nicht lange. Die Älteste, die in den Chroniken verzeichnet ist, Old Mother Chimesbury, wurde zweiundsiebzig Jahre alt. Die meisten werden keine sechzig; etwas länger leben vielleicht nur die Halblinge von Ej.

Sich selbst nennen sie nicht Halblinge. Sie haben genau die Größe, die man braucht – es ist der Rest der Welt, der unnatürlich hoch gewachsen ist. Sie nennen sich „das Volk“. Die aus den Shires sind die „Shirefolk“, und die aus dem Süden, die bei der Elfenstadt Ej und in ihr leben, „das Volk von Ej“.

Verschollene Götter

Woher sie kommen, weiß niemand. Gelehrte vermuten, dass die Götter sie erschaffen haben, später als Elfen, Menschen und Zwerge – aber keine Legende sagt, welcher Gott, wann oder wo. Die eigenen Überlieferungen der Halblinge sind nebulös und widersprechen einander.

Heute verehren die Halblinge keinen Gott. Ihre ältesten Legenden erzählen jedoch, dass sie vor dem Götterkrieg Gottheiten hatten, die sie liebten – nur hat der Nebel der Zeit die Einzelheiten verwischt. Gelehrte vermuten, dass diese Götter im Götterkrieg umkamen oder schon früher verdrängt wurden. Die Halblinge können sich nicht vorstellen, dass man einen Gott töten kann. Lieber glauben sie, dass ihre Götter einfach fortgegangen sind und sich verlaufen haben. Daher der Ausruf, den man in jedem Halblingswirtshaus hört.

Die Zeit der Wanderschaft

Die erste Erwähnung der Halblinge stammt aus der Zeit der Grokan-Dynastie, vor über dreitausend Jahren: ein paar Sätze über kleine Nomadengruppen, die sich nur durch ihre Größe hervortaten. In den folgenden Jahrtausenden finden sich in staubigen Bibliotheken ähnliche Notizen – kleine Leute mit Schafen und Ziegen, in Zelten oder notdürftig zusammengezimmerten Hütten, die Fremden aus dem Weg gehen, aber gern Handel treiben. Die Halblinge selbst nennen diese Jahrhunderte „die Zeit der Wanderschaft“.

Die erste genaue Beschreibung hinterließen die Zwerge. Im Jahr 927 hielt Naprastor, Chronist einer Festung am Westrand des Abkhazla-Gebirges, fest, wie Späher auf den Weiden der Festung auf ein Lager seltsamer Geschöpfe stießen. Sie waren scheu, fassten aber schnell Vertrauen. Sie hatten Wolle und Felle bester Qualität zu verkaufen und interessierten sich sehr für eiserne Werkzeuge und stählerne Klingen. Sie lebten in kuppelförmigen Zelten aus Holz und Leder, die sich im Handumdrehen zusammenlegen ließen. Den Spähern gefielen sie so gut, dass sie ein Dutzend kleiner Äxte für zwei davon hergaben.

Ähnliche Begegnungen beschrieben später Elfen und Menschen. Alle waren sich einig, dass die Halblinge harte Händler waren. Einige fügten hinzu, dass sie Ärger zwar meist aus dem Weg gingen, in die Enge getrieben aber mit überraschender Wildheit kämpften. Ein menschlicher Chronist nannte sie sogar „das Volk der Vielfraße“.

Rad, Schrift und Tüftelei

Im zweiten Jahrtausend nach dem Götterkrieg übernahmen die Halblinge endgültig Rad und Schrift – von den Elfen und von den Zwergen, deren Ingenieurskunst sie sehr bewunderten. Aus Rädern wurden Wagen und aus Wagen Häuser auf Rädern. Drohte Gefahr, stellte man sie im Kreis auf, und die Familie hatte im Nu ein befestigtes Dorf. Damals begann die berühmte Tüftelei der Halblinge: Dieses Volk lernt schnell und hat ein angeborenes Talent dafür, herauszufinden, wie etwas funktioniert.

Geschrieben wurde fast nur für Geschäfte und in der Gemeinsprache. Ihre eigene Sprache, Tinker-tongue, lebt bis heute, doch Aufzeichnungen darin gibt es kaum.

Die Familien wuchsen und kamen immer öfter in großen gemeinsamen Lagern zusammen – um zu handeln, zu feiern und damit die Jungen eine Frau oder einen Mann außerhalb der eigenen Sippe fanden. Andere Völker belächelten die Halblinge, kauften ihre Waren aber überall gern. Mit Goblins und Banditen, die sie für leichte Beute hielten, wurden die Halblinge fertig. Vor größeren Ungeheuern konnten sie nur fliehen oder sich verstecken – und darin waren sie Meister. Zu Beginn des zweiten Jahrtausends begannen sie außerdem, an abgelegenen Orten Lager einzurichten, bei denen sie für eine oder zwei Saisons Getreide säten.

Zweiter Teil: Die Shires

Bron Abbet hat genug

Im Jahr 2180 rief Bron Abbet, Oberhaupt einer der größeren Sippen, zu einem großen Treffen auf der Ardovikian-Ebene, nordwestlich der kurz zuvor gegründeten League of Rhordia. Und verkündete, dass er und seine Familie das ewige Umherziehen satthatten. Das Land war fruchtbar und fast leer. Abbet wollte für immer bleiben und lud die anderen ein, mit ihm zu bleiben.

Es wurde lange gestritten, doch die meisten Familien blieben. Das Land nannte man Abbetshire und die größte Siedlung an einem See Yangmere, was in Tinker-tongue schlicht „Seestadt“ bedeutet. Als die Siedler zwölf Jahre lang von keinem Unglück heimgesucht wurden, kamen weitere nach. Das in Jahrhunderten der Wanderschaft gesammelte Wissen zahlte sich endlich aus: Abbetshire erzeugte bald mehr Nahrung, als es brauchte, und trieb damit Handel mit der Liga. Mit der Zeit entstanden vier weitere Landstriche – Tanshire, Daleshire, Southshire und Hoddingshire – auf einem Gebiet von etwa sechzig mal fünfundsechzig Meilen.

Das Land war fast leer, aber eben nur fast. Die Menschen und Wesen, die dort lebten, vertrieben die Halblinge ohne Sentimentalität und sorgten dafür, dass niemand sonst versuchte, sich hier niederzulassen. Manche Familien wurden übrigens nie sesshaft und ziehen bis heute durch die Welt.

Keine Könige

In der Zeit der Wanderschaft herrschte das älteste Mitglied der Sippe, ob Frau oder Mann. In den Shires führte zunächst Bron Abbet, doch nach seinem Tod war niemand bereit, die Macht an einen seiner Söhne übergehen zu lassen. Erbliche Könige, wie sie Menschen, Zwerge und Elfen haben, haben die Halblinge nie akzeptiert. Die Siedlungen wählten schon vorher Bürgermeister und Räte und für die Ordnung Sheriffs. Abgestimmt wurde nach Familien, nicht nach Köpfen, aber Selbstverwaltung war es allemal.

Nach Abbet entstand die Versammlung, in der Vertreter der Siedlungen saßen und mit der Zeit je drei aus jedem Landstrich. Geleitet wird sie vom Ersten Ratsherrn, der für drei Jahre gewählt wird. Im Jahr 2325 zog die Versammlung von Yangmere nach Hodenburg, das dank des Handels mit Eowolf, der Hauptstadt der Liga, zur größten Stadt der Shires herangewachsen war. Diese Ordnung hat sich bis heute fast unverändert gehalten.

Frauen sitzen mit der Zeit seltener in den Räten. Allerdings sind es meist die Matriarchinnen der weitverzweigten Familien, die sich treffen und die wichtigen Entscheidungen fällen, während die Männer in den Ratssälen streiten. Frauen dienen auch im Heer – seltener als Männer, aber sie verteidigen ihre Dörfer ebenso verbissen.

Goldene Felder

Die Shires leben vom Land. Das Klima ist beständig, die Jahreszeiten sind mild, und die umliegenden Länder sind nicht einmal halb so fruchtbar – daher all die Spekulationen über Zauberei. Hier wachsen Weizen, Gerste, Roggen, Hafer, Hopfen und jede Menge Gemüse, vor allem Kartoffeln. Obstgärten und Weinberge biegen sich unter der Last der Früchte, Wein und Bier gehen in den Export, und der Käse aus der Milch der heimischen Kühe ist überall begehrt. Von den Zwergen übernahmen die Halblinge die Liebe zur Pfeife, und ihren Tabak bauen sie selbst an.

Pflüge, Sämaschinen und Mähmaschinen aus den Shires suchen ihresgleichen. Die Halblinge ernten viel mehr, als sie essen – und sie essen reichlich, gemessen an ihrer Größe mehr als Menschen –, also wurden die Shires schnell zur Speisekammer der Liga von Rhordia. Nur an Metall fehlt es. Die Minen rund um Tanmill liefern vor allem Kupfer, Eisen muss eingeführt werden. Aus den Shires gehen also Lebensmittel und Handwerkswaren hinaus, Metallwaren dagegen fast gar nicht.

Häuser wie Bienenkörbe

Ein sesshaftes Volk konnte vor Ärger nicht mehr davonlaufen. Es musste lernen, sich ihm zu stellen.

Die ersten Häuser, die Cloctans, hatten die Form von Zelten, nur viel größer. Später baute man sie auf acht- oder zwölfeckigem Grundriss, doch die oberen Stockwerke sind immer noch kleiner als die unteren, und das Ganze erinnert weiterhin an einen Bienenkorb, manchmal mit Erde bedeckt und mit Gras bewachsen. Die Dörfer sind rund wie die Wagenburgen alter Zeiten. Steinmauern haben die Halblinge nie gebaut – es genügt, die Lücken zwischen den Häusern zu verbarrikadieren, deren Türen und Fenster zur Mitte des Kreises zeigen. Wächst ein Dorf, kommt ein weiterer Ring hinzu.

An den Grenzen entstanden Guardburgs, befestigte Posten: vom ummauerten Gasthaus mit einem Dutzend Verteidigern bis zu großen Wachfestungen für mehrere Hundert, wo es gefährlich war. Von dort ziehen Patrouillen aus, die rechtzeitig vor Gefahren warnen sollen.

Trained Bands

In der Zeit der Wanderschaft kämpfte jeder: mit Speer, Axt, Keule und vor allem mit dem Bogen. Bogenschießen ist seit jeher der liebste Zeitvertreib der Halblinge – bei der Jagd bringt es das Essen auf den Tisch, und im Kampf trifft man damit einen (vermutlich größeren) Feind, bevor er herankommt.

Sesshafte Bauern hatten jedoch anderes zu tun. Also stellte jede Gemeinde Trained Bands auf: Freiwillige, die einen Teil ihrer Zeit üben, in den Guardburgs Wache stehen und an den Grenzen patrouillieren und den Rest zu Hause arbeiten. Bezahlt werden sie – oder häufiger ihre Familien –, meist in Naturalien. Jeder Landstrich hat seinen Muster Captain, und den Oberbefehl hat der Muster Master, den die Versammlung wählt. Die Bogenwettbewerbe zwischen den Dörfern sorgten zudem für eine ordentliche Reserve für den Kriegsfall.

Das Beispiel der Liga und einige heftige Zusammenstöße mit Orkbanden brachten die Versammlung schließlich dazu, tiefer in die Tasche zu greifen. Rüstungen kamen auf – zuerst selbst gemachte aus Leder, dann metallene von den Schmieden der Liga –, und die größten Halblinge bekamen kleine Pferde und wurden zur ersten schweren Reiterei. Nach einigen Jahren Drill, den man sich bei den Menschen abgeschaut hatte, besaßen die Shires eine Streitmacht, mit der man rechnen musste.

Und das war gut so, denn schwere Zeiten zogen herauf.

Dritter Teil: Der lange Winter

Der Krieg gegen Winter

Im Jahr 2499 brach der Krieg gegen Winter aus, der letzte Zusammenstoß der alten Götter in jüngerer Zeit. Riesige Teile der Welt erstarrten in einem Winter, der Jahrzehnte dauerte. Die Halblinge hatten keine Ahnung, woher er kam. Sie mussten einfach überleben. Gerettet hat sie ihr Geschick, dem Boden Nahrung abzuringen, und trotzdem rafften Hunger und Seuchen mehr als die Hälfte der Bewohner der Shires dahin. Die Trained Bands wiesen ganze Scharen menschlicher Flüchtlinge an den Grenzen ab.

Als Winter besiegt war, schmolz das unnatürliche Eis unglaublich schnell. Es kam die Große Flut, und die Infant Sea entstand. Die Shires erholten sich mit der Zeit, doch der lange Frieden war vorbei: Die Katastrophe hatte Feinde aller Art aufgescheucht, sterbliche und andere. Die erneuerten Trained Bands hielten stand, wenn auch manchmal nur knapp.

Die Halblinge von Ej

Vor dem Krieg gegen Winter waren die Shires die einzige feste Siedlung der Halblinge auf der Welt. Der größte Teil des Volkes zog noch immer durch das mittlere Pannithor, Hunderte Meilen weiter südlich. Diese Nomaden traf es am härtesten, und die Überlebenden mussten vor der steigenden Infant Sea nach Norden oder Süden fliehen.

Wer nach Süden ging, sammelte sich am Wald Dieshlar, im Land der Elfen. Die Elfen – vielleicht aus Mitleid – nahmen die Flüchtlinge auf, und im Jahr 3017 entstand bei der Elfenstadt Ej eine feste Siedlung der Halblinge. Das Volk von Ej betrieb eher Viehzucht als Ackerbau und blühte unter dem Schutz der Elfen auf. Halblingstüftelei, verbunden mit elfischem Wissen, brachte dort erstaunliche Maschinen hervor, mit denen man durch das Gebirge der Blades of Ej reisen konnte.

Im Jahr 3255 staunten die Bewohner Hodenburgs nicht schlecht, als eine Gesandtschaft aus Ej eintraf, die fast zwei Jahre zu Fuß zu ihnen unterwegs gewesen war. Seitdem brechen wagemutige junge Leute von beiden Seiten zum Langen Marsch auf, und alte Familienbande leben wieder auf. Heute sind zweimal im Jahr Gesandtschaften unterwegs, und schlanke Elfenschiffe bringen Beamte und Reisende zwischen Lethuia und Valentica hin und her, was den Weg erheblich verkürzt.

Die Tüftler

Es vergingen mehrere Generationen, bis in den Shires wieder Normalität einkehrte. Danach schritt die Zivilisation der Halblinge im Gleichschritt mit der benachbarten Liga von Rhordia voran. Auch die Liga war ein kleiner Bund, umgeben von Feinden – und da sie ihnen an Stärke nicht überlegen sein konnte, beschloss sie, ihnen an Verstand überlegen zu sein. Sie gründete in Eowolf das College of Warcraft, eine der wenigen Einrichtungen dieser Art auf der Welt, und die begabtesten Tüftler der Shires gingen dorthin, um zu lernen.

Sie kamen schnell zurück. Über den Feldern drehten sich bald Windmühlen, und die Ernten wurden so groß, dass man einen Kanal von Tanmill nach Hodenburg graben musste – der Bau dauerte über zehn Jahre, doch der fertige Kanal wurde zum Wunder der ganzen Gegend. Als die Liga begann, die ersten Pulverwaffen der Zwerge nachzubauen, zogen die Halblinge nach. Bögen mochten sie weiterhin lieber, doch bald gossen sie eigene Kanonen, und in Tanmill entstand eine Pulvermühle.

Manche wurden Ingenieure oder sogar Magieschmiede, die ihren Werken Magie einhauchen können. Zwei gingen in die Legende ein. Percival Arbuckle und sein Lehrling Paddy Bobart brachten die Artillerie voran, und beide bauten Nachbildungen des zwergischen Steel Behemoth. Auf seine alten Tage gründete Bobart in den Hügeln nördlich von Tanmill ein Zentrum für technische und magische Forschung nach dem Vorbild des College of Warcraft.

Echte Zauberer sind unter Halblingen selten – die Shires haben höchstens einen oder zwei zugleich und hüten sie wie einen Schatz. Doch die Halblinge finden immer eine Verwendung, selbst für ein bescheidenes Talent. Das beste Beispiel ist die erst kürzlich enthüllte Gastromantie: das Verzaubern von Essen. Der Trank eines Alchemisten ist ein Schluck für eine Person, mit einer gastromantischen Mahlzeit aber kann man Hunderte, ja Tausende auf einmal verköstigen. Eine der ersten bekannten Gastromantinnen ist Mama Beata, die ihre Kunst inzwischen an andere weitergibt. Deshalb führen Halblingsheere Rationen mit sich, mit denen ein Soldat länger durchhält, härter zuschlägt und weniger Angst hat.

Vierter Teil: Die Liga und der Verrat

Gemeinsame Sache

Im Lauf der Jahrhunderte rückten die Shires und die Liga immer enger zusammen. Die Liga lebte vom Getreide der Shires, die Shires kauften bei ihr Metall. Viele Halblinge zogen in die Städte der Menschen, und der Kanal von Tanmill wurde bis nach Eowolf verlängert. Im Jahr 3712 zerschlugen die vereinten Heere einen besonders gefährlichen Orkeinfall, und zehn Jahre später traten die Shires der Liga offiziell bei.

In der Liga erzählt man das etwas anders. Nach den dortigen Chroniken kam nach einigen harten Wintern eine Seuche aus den Ausläufern der Dragon's Teeth, und die Shires nahmen Flüchtlinge auf und retteten die Liga mit ihren Lebensmitteln. Zum Dank boten die Herzöge den Halblingen einen Sitz im Rat an – und die Versammlung debattierte darüber zur Verzweiflung des Rates fast drei Jahre lang.

Wie auch immer: Das Bündnis hatte seinen Preis. Die Liga hing immer stärker von den Lebensmitteln der Shires ab, die Shires von den Truppen der Liga. Die Halblinge ließen ihre schwere Infanterie und Reiterei still und leise verschwinden und stellten wieder vor allem leichte Einheiten auf. Solange das Bündnis hielt, war daran nichts Schlimmes: Schwer gepanzerte Menschen und flinke Halblinge gaben sogar ein hervorragendes Gespann ab.

Der Riss

Mehr als hundert Jahre nach Abschluss des Bündnisses geriet etwas aus dem Lot. Die Menschen warfen den Halblingen vor, für Lebensmittel Wucherpreise zu verlangen, die Halblinge klagten über die Steuern für das Heer der Liga. In den Städten breitete sich Feindseligkeit gegenüber Nichtmenschen aus. An der Seite der Barone tauchten geheimnisvolle, unheilvolle Berater auf, und im Rat wurde offen Lord Darvled gelobt, der Herrscher von Valentica, dessen Herrschaft mit einer Politik nach dem Motto „Menschen zuerst“ einherging. Die Halblinge in den Menschenstädten kehrten still und leise nach Hause zurück. Dann kam die Gewalt. Einige vermuteten, dass hinter alldem etwas Finstereres steckte, doch niemand konnte es beweisen.

Im Jahr 3866 traten die Shires – alle fünf Landstriche – aus der Liga aus und stellten den Handel ein. Die Liga, entsetzt über die drohende Hungersnot, erklärte ihnen den Krieg, um die Halblinge zu Leibeigenen zu machen. Die ersten Schlachten gingen verheerend aus, und die Halblinge begriffen, was für ein großer Fehler es gewesen war, ihre schweren Truppen aufzugeben. In einer Schlacht südlich von Hodenburg erlitten sie eine Niederlage, und die Hauptstadt sowie mehrere andere Städte wurden belagert.

Holdfast

Der Krieg wäre verloren gewesen, hätte es Paddy Bobart nicht gegeben. In seinem geheimen Stützpunkt Holdfast nördlich von Tanmill hatte er ein neues Heer zusammengezogen, weit besser ausgerüstet als der Rest der Truppen der Shires. Kurz vor dem Krieg war zudem eine Gesandtschaft aus Ej eingetroffen – diesmal nicht zu Fuß, sondern in einer wundersamen Flugmaschine – und hatte Hilfe versprochen.

Die Shires hatten außerdem einen Feldherrn von außergewöhnlicher Begabung. Aeron Cadwallader war Kadett am College of Warcraft gewesen und nach Hause zurückgekehrt, als die Shires die Liga verließen. Er war jung, bewies aber schnell, was in ihm steckte, und Bobart übertrug ihm den Befehl über das neue Heer. Mit Hilfe der Halblinge von Ej, der magischen Speisen von Mama Beata und jedes Magiers, den man auftreiben konnte, führte Cadwallader einen Blitzfeldzug: Er zerschlug die Truppen der Liga bei Picksbury, befreite Hodenburg von der Belagerung und trieb die Eindringlinge auf ihr eigenes Gebiet zurück.

Der wahre Feind

Der Krieg endete schlagartig, als ans Licht kam, dass beide Seiten getäuscht worden waren. Den Streit hatten die Spione Lord Darvleds geschürt, eines Tyrannen jenseits der Dragon's Teeth, um die Liga vor dem Einfall eines großen Söldnerheeres zu schwächen. Eowolf wurde belagert. Die Halblinge hatten viele Bedenken, zogen aber zu Hilfe, Cadwallader schmiedete erneut einen kühnen Plan, und die Söldner wurden zerschlagen.

Ewige Freundschaft wurde geschworen. In die Liga sind die Shires jedoch nicht zurückgekehrt und haben es auch nicht vor – sie sind ihr Verbündeter, kein Mitglied. Sie haben jetzt ein eigenes, gut ausgewogenes Heer und arbeiten mit der Liga zusammen, wenn es ihnen passt. Sowohl die Shires als auch die Siedlungen in Ej halten sich aus fremden Angelegenheiten heraus, es sei denn, etwas betrifft sie unmittelbar oder es lässt sich daran verdienen. Einzelne Halblinge sind ähnlich: freundlich, manchmal großzügig, aber ebenso gern bereit, anderen ihre eigenen Probleme zu überlassen.

Fünfter Teil: Das Heer der Shires

Keine geborenen Soldaten

Halblinge geben als Erste zu, dass sie nicht fürs Kriegshandwerk geschaffen sind. Sie haben keinen Blutdurst wie Orks, stürzen sich nicht wegen gekränkter Ehre in die Schlacht wie Zwerge, und der Prunk eines Heeres unter Bannern lässt sie kalt. Lieber sind ihnen die Werkstatt, eine reiche Ernte, ein gutes Essen, ein gutes Bier und eine Pfeife im Kreis der Familie. Fremde halten dieses sonnige Gemüt oft für Schwäche.

Ein schwerer Fehler. Halblinge lieben die Freuden des Lebens, und gerade deshalb tun sie alles, damit niemand sie ihnen nimmt. Was ihnen gehört, verteidigen sie mit einer Wildheit, die schon viele überrascht – und viele das Leben gekostet hat. Sie können sanft und freigebig sein, aber ebenso kalt, berechnend und völlig erbarmungslos.

Die Größten werden zum Dienst im Heer ermuntert; manche erreichen schwindelerregende viereinhalb Fuß. Seit Kurzem ist es gelungen, die gesamte Reiterei auf Miniatur-Aralez zu setzen. Aralez sind große, hundeähnliche Tiere der Ebenen, berühmt dafür, dass sie kleinere Wunden durch bloße Berührung heilen. Ihre kleine Spielart aus den Shires ist fast so groß wie die Ponys, die man früher ritt, kämpft gemeinsam mit ihrem Reiter und hat einen Teil der Gabe ihrer Vorfahren bewahrt. Dank ihnen steht die Reiterei der Halblinge der menschlichen kaum nach.

Trained Bands

Die Trained Bands sind das Rückgrat des Heeres. Ihre „braves“ sind keine Berufssoldaten, aber besser ausgebildet als so manche Miliz anderswo. Sie tragen gesteppte Lederwämser und Holzschilde oder Buckler. Viele Einheiten kämpfen in geschlossenen Blöcken als Spearspikes – der Speer ist die ideale Waffe für einen kleinen Krieger, weil er den Feind auf Abstand hält und einen Reiterangriff zum Stehen bringt. Andere greifen zu Schwertern, Keulen, Äxten oder sogar landwirtschaftlichem Gerät und bevorzugen den Nahkampf: Dank ihrer geringen Größe und Schnelligkeit schlüpfen sie unter der Deckung des Gegners hindurch.

Ein Teil der Trained Bands ist leichte Reiterei auf Aralez, die aufklärt, den Feind aus der Distanz bedrängt und die Flanken deckt. In der Ausbildung veranstalten die Rekruten lange Wettrennen über die Ebenen – daher der Spitzname Wild Runners.

Feastmaster

Einem Halblingsheer zieht immer ein Schwarm leichter Infanterie mit Bögen, Schleudern und Gewehren voraus. Er sucht den Feind und erlegt nebenbei jedes Wild – oder das Vieh des Gegners –, damit die nachfolgenden Köche etwas einzusammeln haben. Angeführt wird so ein Trupp oft von einem Feastmaster. Das Letzte, was ein marschierendes Halblingsheer will, ist, den ganzen Tag zu laufen und dann noch auf das Essen zu warten. In den Topf wandert also alles, was sich fangen, schießen oder mit der Schlinge erwischen lässt. Und wenn unterwegs der Feind auftaucht? Nun, so mancher hat in Halblingspasteten schon merkwürdig aussehendes Fleisch entdeckt.

Stalwarts und Juggers

Manche Einheiten haben das Kriegshandwerk zum Beruf gemacht. Stalwarts tragen Rüstungen aus dickem Leder und Platten, Helme und kräftige Schilde. Ein Teil kämpft in Speerblöcken und bildet den harten Kern des Heeres, ein anderer bevorzugt den Kampf auf kurze Distanz.

Die schwere Reiterei auf gepanzerten Aralez kämpft mit der Lanze. Fremde nennen sie Ritter, doch die Halblinge haben keinen Adel, also passt das Wort überhaupt nicht. Sie selbst nennen sie Juggers.

Schießpulver

Ein kurzer Bogen, so gut er auch gebaut sein mag, durchschlägt schwere Rüstung nur mit Mühe. Nach einem kurzen Abenteuer mit Armbrüsten stieg der Großteil des Heeres daher auf Musketen und sogar Gewehre um – eine Folge der Jahre in den Heeren der Liga. Am begeistertsten sind die Jäger und Wilderer, die eingezogen wurden oder sich außerhalb der Jagdsaison freiwillig melden. Leichte Infanterie mit Karabinern, in den Shires „gun-dogs“ genannt, kämpft in aufgelöster Ordnung oder in geschlossenen Reihen. Der gezogene Lauf ist ein frischer Import von den Zwergen; die seltenen, langsam zu ladenden Büchsen bekommen vor allem Scharfschützen.

Flügel aus Ej

Die außergewöhnlichsten Erfindungen der Halblinge sind die Flugmaschinen aus Ej. Die Hirten aus der großen Waldstadt der Elfen und von den Hängen der Blades of Ej nutzen sie, um ihre Herden zu hüten und Tiere – oder Menschen – von gefährlichen Felsgraten zu retten. Aus dem Ballon sieht man die Herde von oben, und mit mechanischen Flügeln lassen sich Schluchten und Gebirgsflüsse überspringen. Die Heere der Shires und von Ej begriffen schnell, was das im Krieg bedeutet.

Die verwegensten Truppen des ganzen Heeres sind die Ej Grenadiers. Diese Draufgänger auf mechanischen Flügeln stoßen wie Raubvögel auf den Feind herab, überschütten ihn mit Brandbomben und landen dann mitten im Chaos, das sie selbst angerichtet haben. Unterstützt werden sie von Aeronauten in Ballons. Sie schweben hoch oben und werfen größere Bomben ab, und schon ihr Anblick am Himmel kann den Mut des Feindes ebenso brechen wie die Explosionen.

Kriegsmaschinen

Fast jeder Halbling hat zu Hause eine kleine Werkstatt, in der er Gerätschaften baut, „damit das Leben leichter wird“. Die Begabtesten schaffen Werke, die sich getrost mit denen der Zwerge messen können.

Der Harvester ist eine etwas klapprige Mähmaschine, die man in den Krieg geschleppt hat – eine seltsame Mischung aus Holz, Metall und Troll. Er fährt durch die feindlichen Reihen wie eine Sense durch reifen Weizen. Das Iron Beast ging aus dem zwergischen Steel Behemoth hervor: Die Idee brachte Percival Arbuckle in die Shires, weiterentwickelt hat sie Paddy Bobart. Jede Maschine ist ein wenig anders, aber alle sind riesige, vierbeinige, dampfgetriebene Kolosse, gesteuert aus einer kleinen Kabine auf dem Rücken, mit Geschützen und Stoßzähnen. Seit den Tagen der Liga verfügen das Heer der Shires und die Brigaden aus Ej außerdem über Volley Guns, tödlich auf kurze Distanz, und Haubitzen, die aus der Ferne Sprenggranaten verschießen.

Waldtrolle

Die meisten Waldtrolle der Ardovikian-Ebene leben in den Targun Deeps, doch kleine Stämme sind auch in den Wald von Kharne und in die Sümpfe östlich von Yangmere gezogen. Die meisten Völker halten sie für furchterregende, dumme Bestien. Die Halblinge haben gelernt, mit ihnen zu leben – sie bezahlen ihre Arbeit mit Essen, und die schwierigsten Abschnitte des Kanals von Tanmill ließen sich nur dank Trollmuskeln ausheben. Trolle lieben außerdem eine ordentliche Prügelei, also werben die Halblinge im Kriegsfall die eifrigsten jungen Trolle an und versprechen ihnen Abenteuer und das unvermeidliche Festmahl nach dem Sieg – bei dessen Anblick man besser einen robusten Magen hat.

Saucerors und Greedyguts

Das Heer führen Sergeanten, Konstabler, Muster Captains und Generäle. Ihr Ziel ist es zu verteidigen und Kämpfe zu vermeiden, wo es nur geht. Treibt es ein Feind jedoch zu weit, sind sie es, die die ganze Wildheit der Halblinge auf ihn loslassen – und die wütenden, rachedurstigen Reihen danach im Zaum zu halten, ist oft ein aussichtsloses Unterfangen.

Einen Vorteil verschaffen ihnen die Saucerors, die wie jeder Magier Schlachtzauber wirken und den Proviant mit Gastromantie verzaubern. Die hat allerdings schreckliche Nebenwirkungen. Manche Unglückliche werden so süchtig nach verzaubertem Essen, dass sie sich vollstopfen, bis sie fast platzen, und sich in missgestaltete, abscheuliche Kreaturen verwandeln, die buchstäblich alles fressen, was lebt. Das sind die Greedyguts. Sie sind kaum zu bändigen, deshalb halten die Halblinge sie angekettet, bis man sie auf den Feind loslassen kann – in der Hoffnung, dass sie sich bis zur nächsten Schlacht satt fressen.

Sechster Teil: Legenden des Volkes

Aeron Cadwallader

Geboren in den Shires, ausgebildet am College of Warcraft der Liga von Rhordia. Im Krieg gegen die Liga erwies er sich als strategisches Genie, und ihm verdanken die Halblinge ihren Sieg. Seitdem baut er das Heer der Shires um, vergrößert es und bildet es aus. Er ist der jüngste Halbling, der je Muster Master geworden ist.

Mama Beata

Eine der ersten bekannten Gastromantinnen und Lehrerin vieler, die nach ihr kamen. Ihr Reich ist der Grainbarn – ein gewaltiger unterirdischer Kornspeicher unter Hodenburg, aus dem Essen und Bier in alle öffentlichen Gebäude der Stadt fließen. Dort lagern auch jede Menge seltene und exotische Zutaten. Manche flüstern, auch verbotene.

Ally McSween

Als kleines Kind auf der Straße ausgesetzt, wuchs sie in „schlechter Gesellschaft“ auf. Man hörte schnell auf, die kleine Waise zu piesacken, als man begriff, was jemand wert ist, der nur halb so groß ist wie ein Mensch, mit zierlichen Händen und leichtem Schritt. Ally wurde eine der berühmtesten Diebinnen von Geneza, einer Stadt, die auf den Ruinen einer älteren, vom Meer verschlungenen errichtet wurde. Mit dem wachsenden Ruhm wuchs ihr Appetit auf das gute Leben, und so begann sie, beruflich zu stehlen, für den, der am meisten zahlt – manchmal sogar für die League of Infamy. Heute ist sie die Lieblingsheldin in den Spielen und Geschichten der Halblingskinder, und unlängst besuchte sie sowohl die Shires als auch Ej. Sie sagt, sie arbeite noch ein paar Jahre. Was danach kommt, verrät sie nicht.

Siebter Teil: Sturm über den Shires

Nachricht aus Rhordenne

Vor Kurzem kamen aus dem Abgrund die Legionen der Riftforged-Orks hervor: diszipliniert, schwer gepanzert und von Sturm umhüllt. Drei von ihnen griffen die Liga von Rhordia an, und eine dieser drei – die Abyssal Eyes des Stormbringers Grullik Headpuller – zog nach der Einnahme der Stadt Rhordenne weiter, um zu sehen, was jenseits der Grenzen der Liga lag.

In den friedlichen Shires glaubten viele nicht, dass gewöhnliche Orks eine so gut verteidigte Stadt hätten einnehmen können, und schoben alles auf die übertriebenen Geschichten der Barden. Überzeugt wurden die Ältesten erst von Aeron Cadwallader, dessen Späher die neuen Orks mit eigenen Augen gesehen hatten. Auf Hilfe von außen war nicht zu hoffen – die Liga hatte mit ihrem eigenen Krieg genug zu tun.

Den Blitz aufspalten

Der Oberste Magieschmied der Shires, Dilwyn Brynmoor, stellte eine Theorie auf: Der Marsch dieser Orks gleicht einem Gewitter, und einen Blitz kann man aufspalten, bis seine Kraft verpufft. Die Menschen von Rhordia hatten verloren, weil sie den Orks Zeit und Ort der Schlacht überlassen hatten.

Also bedrängte ein Spähtrupp die Orkkolonne so lange, bis sich drei Kohorten abspalteten, um ihm den Garaus zu machen – und sich in die Sümpfe locken ließen, wo aus dem Wald das Heer von Abbetshire hervorbrach. Am Fluss Erst lief es schlechter. Die Halblinge zerstörten die Brücke und warteten an der Furt, doch die Orks holzten den Wald ab, bauten zwei riesige Schwimmbrücken und überquerten den Fluss, bevor sich die Verteidiger neu formieren konnten. Solche Organisation hatte man bei Orks noch nie gesehen.

Milizführer Conwy Macsen befand, dass man, wenn die Orks ein Sturm seien, einen Blitzableiter brauche, und lockte sie auf die Turmlinie an der Ostgrenze. An jedem Turm stellte sich die Miliz, kämpfte und floh, bevor die Verluste zu groß wurden. Die Orks wussten nicht, dass jedes Mal ein Teil der Verteidiger in den Wäldern verschwand und nach Hodenburg zog, wo das größte Heer heranwuchs, das die Shires je gesehen hatten. Als die Zwillingstürme von Tanmill fielen, entdeckten die Orks den Kanal und zogen an ihm entlang mitten ins Herz der Shires.

Die Verteidigung von Hodenburg

Die Feastmaster aus dem Wald der Green Glades hielten die Orks meisterhaft auf – auf Waldwegen erwiesen sich Schildwälle eher als Hindernis denn als Schutz. Grullik, der zu spät begriff, dass in diesen kleinen Leuten mehr steckte, als es den Anschein hatte, zog die Legion zurück und ließ zur Deckung die Youngax-Horden im Wald zurück, den Bögen der Halblinge ausgeliefert.

Die Legion erreichte Hodenburg trotzdem. Welle um Welle von Orks brandete gegen die Mauern, und ein gewaltiger Storm Giant hämmerte gegen das Tor. Cadwallader hörte erneut auf Brynmoor: Auch hier musste der Blitz aufgespalten werden. Die Ältesten stimmten widerwillig zu – und Cadwallader öffnete das Tor.

Die Orks stürmten in die Stadt und blieben sofort in verbarrikadierten Straßen stecken. Ein Drittel der Legion drängten die Barrikaden auf die Great Heath ab, einen großen öffentlichen Garten voller Hügel und Obstbäume. Dort fielen Karabinerschützen, Ej Grenadiers, trollgetriebene Harvester, Aralez-Reiterei und Iron Beasts über sie her, während Aeronauten aus den Ballons schossen. Ein anderer Teil stieg in den Grainbarn hinab. Manche Orks konnten den Bierfässern nicht widerstehen – und hörten in der Dunkelheit, wie sich Käfige öffneten. Mama Beata hatte die Greedyguts freigelassen.

Auf dem Platz hinter dem Tor blieb Grullik allein mit seiner Leibwache und dem Storm Giant zurück, von allen Seiten umzingelt. Aus jedem Fenster fielen Schüsse, aus den Ballons regnete es Granaten. In die Stadt stürmten Waldtrolle, die die Feastmaster aus den Green Glades nach Norden getrieben hatten. Die Greedyguts kamen aus dem Grainbarn, witterten ein Festmahl und stürzten sich auf den Storm Giant. Die Hälfte von ihnen starb, doch der Riese fiel. Und dann preschte Aeron Cadwallader auf einem Aralez aus den Reihen der Halblinge hervor, sprang aus dem Sattel und stellte sich Grullik persönlich zum Zweikampf. Die Blitze um den Stormbringer wurden mit jedem gefallenen Legionär schwächer. Schließlich gelang es der Leibwache, ihren Anführer fortzuzerren, und die Reste der Legion flohen aus der Stadt. Die Wolken rissen auf, und über Hodenburg kam die Sonne hervor.

Der Preis des Sieges

Was aus Grullik Headpuller wurde, weiß niemand. Die Versprengten seiner Legion wurden noch viele Wochen lang durch die Shires gejagt. Der Sieg bei Hodenburg war einer der größten in der Geschichte der Shires und machte Cadwallader zum berühmtesten Feldherrn, den die Halblinge je hatten.

Er selbst feiert nicht. Hätte er von Anfang an entschlossener gehandelt, hätte er die Orks vielleicht schon am Erst aufgehalten, und die Guardburgs wären nicht niedergebrannt. Die Lieder über die Verteidigung von Hodenburg erzählen von Ruhm. Sie erzählen nicht, wie viele braves und wie viele Einwohner starben. Und die Abyssal Eyes waren nur eine einzige Legion.

Vorerst scheint über den Shires wieder die Sonne. Die Halblinge flicken Zäune, pflanzen neue Bäume und schenken Bier nach. Wer sie nur vom Jahrmarkt kennt, hält sie für ein nettes, harmloses Völkchen. Die Orks der Legion Abyssal Eyes wissen es besser. Die wenigen, die überlebt haben.

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