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Rezension: Ascent of the Goblin King – grün, garstig und gerissen

Ein Roman aus der Reihe Tales of Pannithor, dessen Held ein Goblin ist – und zwar kein sympathischer. Wie er sich liest, was er über die Welt von Kings of War verrät und wem wir ihn empfehlen. Ohne Spoiler.

Die meisten Fantasyromane blicken von der Stadtmauer auf die Goblins. Goblins sind die grüne Flut, die aus dem Wald heranrollt, während der Held auf den Zinnen steht und Pfeile zählt. Ascent of the Goblin King dreht diese Perspektive um. Hier hocken wir mit den Goblins im Gebüsch und betrachten ein Menschendorf wie eine Speisekammer. Goblins sind Allesfresser, das Buch dagegen ist leichte Kost.

Worum es geht

Grogger Split-tooth ist Kundschafter im Clan von Häuptling Bung – fett, misstrauisch und von der eigenen Größe überzeugt. Grogger ist der Beste in dem, was er tut, und weiß genau, dass in einem Goblinbau Talent allein nicht reicht. Jeden Erfolg schreibt sich der Häuptling selbst zu, und für jeden Fehlschlag bezahlt ein anderer. Als Grogger den Auftrag bekommt, einen Wiz aus den Händen der Salamander zu befreien, zieht er mit einem kleinen, sehr zufällig zusammengewürfelten Trupp los: einem Reiter auf einem Mawbeast, einem Banggit, dem man nichts in die Hand geben sollte, was explodiert, und einem Troll, der sich vorwiegend in Grunzlauten verständigt. Unterwegs tauchen eine Prophezeiung über eine Krone auf, der legendäre Magwa mit seinem noch legendäreren Mawbeast Jo'os und ein von einer Königin regierter Stamm aus der Tiefe, von dem selbst Grogger noch nie gehört hat.

Dem Trupp auf den Fersen sind die Salamander: eine Korsarenmannschaft, weit weg von zu Hause an Land gespült, die den gefangenen Wiz an die Akademien der Magie in Valentica verkaufen und vom Erlös ein Schiff erstehen will. Später schließen sich ihnen Leute von den umliegenden Höfen an, angeführt von einem ehemaligen basileanischen Offizier.

Die Handlung spielt einige Jahre vor der Flutung des Abgrunds – zu einer Zeit, als noch niemand von Grogger gehört hatte.

Was gelungen ist

Ein Held, der nicht so tut, als wäre er nett. Schon auf den ersten Seiten schummelt Grogger beim Losen und tötet einen Gefährten, um die Lorbeeren selbst einzustreichen. Das ist kein Märchen von einem sympathischen grünen Kerlchen, das sich am Ende als besser erweist als die Menschen. Grogger ist schlau, feige, wann immer es sich lohnt, und skrupellos – immer. Man kann ihm die Daumen drücken, hat aber ständig im Hinterkopf, dass man sie einem Scheusal drückt. Das ist die größte Stärke des Buches.

Goblins von innen. Wer Goblins aus dem Regelbuch und aus Armeelisten kennt, findet hier eine Fundgrube an Details. Woher Goblins kommen und wie die ersten Tage eines Goblins aussehen. Wie es in einem Bau zugeht, in dem der Häuptling auf seinem Hügel thront und nur herabsteigt, um in den Krieg zu ziehen. Warum ein Clan im Rhythmus Festmahl–Hunger–Raubzug lebt. Wie sich die Clans voneinander unterscheiden und was Goblins von den Sternen halten. Vieles davon taucht nirgendwo sonst auf. Einen großen Teil haben wir in einem eigenen Artikel über die Sitten und Bräuche der Goblins zusammengetragen.

Nebenfiguren mit Charakter. Grogger trägt das Buch nicht allein. Magwa ist eine lebende Legende der Goblins: alt, verbittert und mit der Angewohnheit, von sich in der dritten Person zu reden. Sein Mawbeast Jo'os war einst der Kümmerling seines Wurfs und wuchs zu einer Bestie heran, dreimal so groß wie seine Wurfgeschwister. Grukhar Rockcrusher ist die Königin der Underminers – bleicher Goblins aus der Tiefe, bei denen es „keine Könige gibt, nur Königinnen“. Sie trägt eine Krone aus einem Zwergenschädel, einen Rock aus Dutzenden Bärten, die man gefangenen Zwergen abgeschnitten hat, und eine riesige Spitzhacke – und ein Bote mit schlechten Nachrichten kann diese Spitzhacke schon mal zwischen die Augen bekommen. Ein besseres Aushängeschild goblinischer Herrschaft kann man sich kaum wünschen.

Beide Seiten des Konflikts. In einem Teil der Kapitel kommen die Salamander und die Menschen zu Wort. So sieht man die Goblins auch mit den Augen der anderen: als Heuschrecken, die alles bis auf den nackten Boden kahl fressen. Die schiffbrüchigen Salamander sind eine reizvolle Zugabe – man begegnet ihnen selten als gewöhnlichen Korsaren, die einfach nur nach Hause wollen.

Humor. Davon gibt es reichlich, das meiste zündet, und aufdringlich wird er nie. Ein explodierender Troll, von dem nur ein Paar rauchender Füße übrig bleibt, ist hier ganz normal. Der Humor ist ein wenig comichaft, passt aber zu Goblins. Wer das Buch locker nimmt, liest es mit einem Lächeln im Gesicht.

Wo es knirscht

Die Prosa. Der Stil ist schlicht und ziemlich schablonenhaft. Viele Beschreibungen klingen, als würde der Autor eine Liste abhaken: Sonnenuntergang, Rauch aus den Schornsteinen, Kinder, die zwischen den Hütten herumlaufen. Das stört nicht, überrascht aber auch nicht.

Ein vorhersehbarer Handlungsbogen. Eine Prophezeiung, die Vision einer Krone, Verbündete, die man unterwegs einsammelt – das Gerüst ist klassisch, und man ahnt leicht, wohin es führt. Viel Überraschendes erwartet uns hier nicht, aber vielleicht ist das auch gut so.

Für wen

Für Goblin-Spieler – unbedingt! Für alle, die die Welt von Kings of War mögen und ihre weniger erhabene Seite kennenlernen wollen – ebenfalls. Wer einfach gute Fantasyliteratur ohne Bezug zum Spiel sucht, bekommt eher Mittelmaß. Trotzdem ist es ein solider, unterhaltsamer, leichter Roman zur Spielwelt, nicht mehr.

Man sollte bedenken, dass es kein Kinderbuch ist, auch wenn der Humor das nahelegen könnte. Es ist brutal, und einige Szenen gegen Ende sind wirklich grausam.

Das Buch ist auf Englisch erschienen, 2023 bei Zmok Books (Winged Hussar Publishing) unter Lizenz von Mantic.

Fazit

7-/10 (für Goblin-Spieler 7+/10) Stellenweise langatmig, aber mit einem Helden, den man nicht vergisst, farbenfrohen Nebenfiguren und einer Menge Details über Goblins. Für Pannithor-Fans – eine gute Lektüre für ein paar Abende. Für alle anderen – angenehme Unterhaltung, aber kein Muss.

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